Kritik: die technische Ebene

Wie in den einzelnen Beiträgen zuvor bereits angetönt, ist die Umsetzung des Rechts auf Vergessen nicht ganz einfach und nicht unumstritten. Deshalb werden wir uns in den folgenden zwei Beiträgen mit der Kritik am Recht auf Vergessen beschäftigen.

In diesem Post sehen wir uns nochmals die technische Seite des Rechts auf Vergessen an. Wie bereits erklärt, ist es möglich, einen Suchmaschinentreffer löschen zu lassen. Damit ist aber das eigentliche Problem des unliebsamen Inhalts im Web noch nicht gelöst. Natürlich sind Google und Co. der einfachste Weg um etwas im WWW zu finden. Allerdings ist es durchaus im Rahmen der Möglichen, dass eine Website, ein Bild, ein Post oder ähnliches auch ohne die Hilfe einer Suchmaschine gefunden wird. Erstens kann es sein, dass sich eine Person noch an ein peinliches Partyfoto einer ehemaligen Kollegin erinnert und es mit ein wenig stöbern auf der entsprechenden Seite auftreiben kann. In diesem Fall hat sie eine Suchmaschine gar nicht benötigt um an das Bild zu kommen, denn das Foto selbst ist ja immer noch im Web. Zweitens ist es natürlich möglich, dass sich die Person nur noch verschwommen an das Partyfoto erinnern kann und deshalb die einschlägigen Fotoseiten und sozialen Netzwerke durchsucht. Zugegeben, das ist etwas aufwändiger und benötigt unter Umständen einiges an Ausdauer. Aber je nach Ziel und Motivation der Person halten wir es nicht für ausgeschlossen, dass sich jemand diese Mühe wirklich machen würde. Hierbei würde die Person möglicherweise eine Suchmaschine bemühen um auf die Partyfotoseiten zu kommen. Die sind ja immer noch darüber zu finden, auch wenn einzelne Teile der Seiten aus dem Suchmaschinenindex gelöscht wurden. Die dritte Möglichkeit einen solchen Inhalt zu finden ist, mehr oder weniger zufällig darauf zu stossen. Da viele Seiten im Web untereinander verlinkt sind, ist kann sich ein User von Seite zu Seite hangeln und so Inhalte finden, die er gar nicht gesucht hat. Man kann nun sagen, dass dieser User wohl kaum auf einen für ihn relevanten Inhalt stossen wird. Partybilder von fremden Leuten sind für eine Person nicht besonders interessant, spannend wird es ja erst, wenn man die Leute auf den Bildern kennt.

Allerdings kann jeder jedes Bild oder jeden Post (man denke an Screenshots) für sich abspeichern und auf unbestimmte Zeit auf seinem Rechner aufbewahren. Der Urheber oder die Person(en) auf dem Bild haben keine Kontrolle darüber, was mit ihren Inhalten geschieht, sie wissen nicht wer sie heruntergeladen hat und was der damit vorhat (Mayer-Schönberger 2010, S. 119-120). Daraus lässt sich schliessen, dass jemand der beispielsweise ein Bild von sich dauerhaft aus dem Netz entfernen will, jedem User und jedem Server befehlen müsste, das Bild zu löschen. Und hier stossen wir an die Grenzen des technisch Machbaren, zumindest für heute.

Das Verfallsdatum für gesammelte Daten auf dem eigenen Rechner ist eine Methode, die technisch durchaus realisierbar wäre. Wir haben sie bereits im letzten Post (Cookies) vorgestellt. Hier liegt die Problematik bei den Unternehmen, die unsere Daten sammeln. Schliesslich müssten diese sich mit einem Ende ihres Spionen-Daseins abfinden. Ob das wohl umgesetzt wird?

In unserem nächsten Post erfahren Sie mehr dazu, wenn wir uns mit Kritik an der wirtschaftlichen, der gesellschaftlichen und der ethischen Seite des Rechts auf Vergessen beschäftigen.

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