Kritik: die soziale, wirtschaftliche und ethische Ebene

Wie bereits angekündigt folgt heute der Beitrag dazu, warum das Recht auf Vergessen jenseits der technischen Gründe doch nicht so leicht umzusetzen sein wird.

Als erstes ist zu sagen, dass viele User das Konzept des Rechts auf Vergessen gar nicht kennen und wenn, sich dann nicht davon betroffen fühlen. Schliesslich weiss ja jeder, dass man nichts Kompromittierendes über sich veröffentlichen sollte. Auch wird ein Grossteil der User kein Problem darin sehen, wenn ihre Daten ungefragt von Firmen verwendet werden. Sie erhalten dafür beispielsweise sehr viel Speicherplatz für ihre E-Mails, passende Suchresultate auf der ersten Seite, Produktempfehlungen usw. Ausserdem scheint die Gefahr, die von sammelwütigen Unternehmen ausgeht nicht gross zu sein (bis jetzt ist personalisierte Werbung ja so ungefähr das Schlimmste), ein Vorgehen gegen sie wäre also übertrieben. Wenn sich nun niemand grob daran stört und niemand ein Unternehmen dazu veranlassen will, die Daten über ihn zu löschen, wer braucht dann das Recht auf Vergessen? Glücklicherweise gibt es immer wieder Menschen wie Max Schrems und Mario Costeja González, die die Kontrolle über ihre Daten nicht verlieren wollen und dafür mit grossen Unternehmen vor Gericht gehen.

Des Weiteren liegt das Recht auf Vergessen so gar nicht im Sinne von Google, Facebook und Co. Je mehr sie über ihre Nutzer wissen, desto gezielter können sie Werbung auf sie zuschneiden. Für Unternehmen, die beispielsweise über Google Werbung schalten heisst das, dass sie ihre Zielgruppe besser erreichen können bzw. weniger Streuverlust haben. Wenn Werbung an Menschen gelangt, die sich für die beworbenen Produkte interessieren, sind sie eher bereit diese zu kaufen, als Leute für die die Produkte irrelevant sind. So kann das Unternehmen einen höheren Umsatz erzielen und ist dafür auch bereit, Google für ihre Dienste gut zu entlohnen. Für Google heisst das: Mehr Daten = bessere Werbung = mehr Geld. Als wirtschaftliche Unternehmungen sind Suchmaschinenbetreiber und Betreiber von sozialen Netzwerken und ähnliche sicher nicht bereit, auf eine gute Einnahmequelle zu verzichten und so Umsatzeinbussen in Kauf zu nehmen.

Ein dritter Aspekt ist die bereits heute umgesetzte Löschung von Inhalten aus Suchmaschinenindexen. Neben der Tatsache, dass damit der unliebsame Inhalt nicht wirklich gelöscht wird, ist ein weiterer Kritikpunkt, dass mit diesem Verfahren den Suchmaschinenbetreibern unheimlich viel Macht gegeben wird. Sie können entscheiden, welchen Inhalt sie aus dem Index entfernen und welchen nicht. Wieso die Entscheidung für oder gegen die Löschung ausgefallen ist, wird der Nutzer nie erfahren, der Suchmaschinenbetreiber legt darüber keine Rechenschaft ab. Hier ist ausserdem das Missbrauchspotential sehr gross. Es ist kaum möglich, bei jedem Löschantrag zu prüfen ob der zu löschende Inhalt tatsächlich von der beantragenden Person stammt. Somit könnte jemand vortäuschen eine alte, nicht mehr aktuelle Geschäftshomepage löschen lassen zu wollen und in Wahrheit ein Konkurrent des betreffenden Unternehmens sein.

Diese Kritikpunkte sind gerechtfertigte Bedenken. Sollte das Recht auf Vergessen umgesetzt werden, gilt es, diese zu vermindern oder gänzlich zu eliminieren.

 

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