Das Recht auf Vergessen – technisch gesehen

Um zu verstehen, wie das Recht auf Vergessen technisch umgesetzt werden soll, muss der Leser oder die Leserin verstehen wie das Internet vor allem aber das Web aufgebaut ist und wie Suchmaschinen funktionieren.

Das World Wide Web ist eine Anwendung des Internets. Es ist ein System, das dem Austausch von Daten dient. Es besteht aus Webservern, auf denen Daten unter anderem in Form von HTML- und CSS-Dateien gespeichert sind, und Clients (Browsern), die diese Dateien vom Webserver abrufen und für Menschen verständlich am Bildschirm zeigen. Ein Nutzer kann selber Dateien ins Web hochladen und so anderen ermöglichen auf diese zuzugreifen oder gegebenenfalls auf den persönlichen Computer herunterzuladen. (Wenk 2015)

Die Aufgabe von Suchmaschinen ist es nun Inhalte des Webs zugänglich zu machen. Dazu benutzen die Suchmaschinenbetreiber Computerprogramme, so genannte Spider oder Crawler, die sich über die Links von Webseite zu Webseite hangeln und diese dabei indexieren. Die so gewonnenen Metadaten und (Such-)Begriffe werden in eine inventierte Liste eingetragen.
Webseiten, die nicht auf andere Webseiten verlinken oder von anderen Seiten verlinkt werden, werden von der Suchmaschine nicht gefunden. Das ist beim weitaus grössten Teil des Webs der Fall.
Wenn ein Benutzer eine Suchanfrage startet wird als nicht das gesamte Web durchsucht, sondern „nur“ der Suchmaschinenindex. Anschliessend wird dem Suchenden eine Ergebnisliste präsentiert. Dabei sind die Ergebnisse nach bestimmten Kriterien (zum Beispiel Häufigkeit des Suchbegriffes, Position des Suchbegriffes im Text, Klickhäufigkeit, Anzahl Links, die auf diese Seite verweisen und Anzahl Links, die von der Webseite ausgehen) sortiert bzw. gerankt. Je besser die Kriterien erfüllt sind, desto höher oben in der Trefferliste findet sich die Website. (Bekavac 2015)

Findet der Benutzer dann bei Google Daten über sich, die falsch sind oder seine Privatsphäre verletzen, kann er von dem Suchmaschinenbetreiber verlangen, dass das Ergebnis nicht mehr angezeigt wird. Kommt Google nach Prüfung des Verlangens zum Schluss, dass der Inhalt wirklich geschützt werden soll, löschen Mitarbeiter den Eintrag im Index. Bei einer nächsten Suche wird der Treffer also nicht mehr angezeigt.

Das gilt aber nur für Google. Angenommen der Name des Benutzers wird bei einer anderen Suchmaschine eingegeben (z.B. Bing) befindet er sich immer noch unter den Treffern. Schliesslich wurde nur der Eintrag in Googles Index nicht aber der Inhalt im Web selbst gelöscht.

recht

Quelle: Fontana, Reto (2014) in Nebelspalter

 

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